Josef Moosbauer

Herrn Wurmapfels Paulchen ist weg!

Illustrationen von Helmut Musil

Personen

Alfred Wurmapfel        Grundschullehrer, nicht verheiratet

Kater Paulchen             Wurmapfels bester Freund

Stefanie Fluchzig          Neue Lieblingskollegin

Anna Maria Schreiter   Rektorin und strenge Schulleiterin

Dirk                              Mitarbeiter der Fernmeldefirma

Sammy Eisner              Radioreporter bei Radio Larifari

Ulla von Scherben        Haushälterin von Wurmapfel

Franz Josef Stich           Schreiner und Schachpartner

1. An der neuen Schule

„Jetzt muss nur noch in der Schule alles gut laufen, mein kleiner Bär!“ Wurmapfel saß auf seinem geliebten Sofa, Paulchen lag auf seinem Schoß und hinderte ihn daran, Erdnüsse aus der Schale zu pellen und dabei möglichst viele von den Bröseln in seine Schüssel zu bekommen. Den Spitznamen „Kleiner Bär“ hatte Paulchen vor einigen Jahren bekommen, als er mit zunehmendem Alter kräftiger wurde und durch sein braunes Fell und den breiten Kopf wie der Bär Fozzie bei der Muppet Show aussah. Dem Kater war diese Bezeichnung eigentlich egal, genauso hätte sein Herrchen „Schweinchen“ oder „Hase“ sagen können: Namen kamen in seiner Katzensprache ohnehin nicht vor, und daher zählten für ihn mehr der Ton und die Lautstärke, in der sein Herrchen mit ihm redete.

Nun schien es besonders lieb mit ihm zu sprechen und Paulchen streckte die Krallen seiner Vorderpfoten aus und zog sie wieder ein und streckte sie wieder heraus. Dabei bemerkte er nicht, wie der Mensch unter ihm das Gesicht immer mehr schmerzverzerrt verzog. Paulchen durchdrang mit seinen recht langen Krallen locker die Jogginghose seines Herrchens und traf dort auf dessen blanke Haut und die darunterliegenden Blutgefäße. Seit er nicht mehr so viel in der Nacht unterwegs war, wurden seine Krallen vor allem hinten ziemlich lang, und man hörte sie sogar teilweise, wenn er über einen harten Fußboden ging. Das „Schleichen wie eine Katze“ im Sportunterricht, das Herr Wurmapfel immer wieder als Beruhigungsmittel für allzu gutgelaunte Kinder einsetzte, hatte er sich deswegen abgewöhnt.

„Au!“ Herr Wurmapfel hielt die Liebesbezeugungen seines Katers nicht mehr aus und warf beinahe die Schüssel mit den Erdnüssen samt leerer Schalen auf den Boden. Doch er beherrschte sich im letzten Moment. Er war sich ja der großen Liebe seines Katers bewusst. Also bestrafte er das Tier nicht, indem er es mit einem energischen Hieb von seinem Schoß stieß, sondern nahm vorsichtig die beiden Vorderpfoten in die Hand und massierte leicht und zärtlich die weichen Ballen. Paulchen war entzückt und schnurrte noch lauter.